„Ökologisch“, „nachhaltig“ und „umweltzertifiziert“ werden in Ausschreibungen und auf Anbieterwebsites weitgehend synonym verwendet. Sie bedeuten aber drei verschiedene Dinge, und nur eines davon ist überprüfbar. Dieser Beitrag sortiert die Begriffe, benennt die Zeichen, die es tatsächlich gibt, und beschreibt, welche Stellschrauben in der Praxis am meisten bewirken.
Es ist bewusst ein Überblicksartikel und keine Leistungsbeschreibung: Wir sagen hier, worauf Sie bei einem Anbieter achten sollten, nicht welche Siegel wir führen.
Drei Begriffe, drei Bedeutungen
Ökologisch beschreibt üblicherweise das Produkt: Reinigungsmittel mit besserer biologischer Abbaubarkeit, ohne bestimmte Inhaltsstoffgruppen, mit reduzierter Gewässerbelastung. Es ist eine Aussage über das, was im Kanister ist.
Nachhaltig ist die weiteste der drei Formulierungen und meint den gesamten Betrieb: Verbrauch pro Quadratmeter, Transportwege, Verpackung, Maschinenlaufzeiten, Arbeitsbedingungen. Ohne Zahlen dahinter ist es eine Absichtserklärung.
Umweltzertifiziert ist als einziges der drei Wörter belegbar: Es behauptet, dass eine unabhängige Stelle etwas geprüft hat. Die entscheidende Rückfrage lautet deshalb immer — wer hat was zertifiziert, das Mittel oder den Betrieb?
Produktzeichen und Betriebszertifizierungen auseinanderhalten
Auf der Produktseite sind im deutschsprachigen Raum vor allem das Österreichische Umweltzeichen, das EU Ecolabel, der Blaue Engel und das nordische Nordic Swan Ecolabel relevant. Sie werden für einzelne Reinigungsmittel vergeben und sagen etwas über deren Zusammensetzung und Umweltwirkung aus — nicht darüber, wie das Mittel später eingesetzt wird.
Auf der Betriebsseite stehen Umweltmanagementsysteme: ISO 14001 und EMAS. Sie prüfen nicht die Reinigungsleistung, sondern ob ein Unternehmen seine Umweltauswirkungen systematisch erfasst, Ziele setzt und deren Erreichung nachweist. Für einzelne Dienstleistungen gibt es beim Österreichischen Umweltzeichen zusätzlich Richtlinien, die den Betrieb selbst adressieren.
Daraus folgt der häufigste Bewertungsfehler in Ausschreibungen: Ein Anbieter, der ein Umweltzeichen-Produkt einsetzt, ist damit nicht umweltzertifiziert — und ein ISO-14001-zertifizierter Betrieb setzt nicht automatisch ökologisch ausgezeichnete Mittel ein. Wer beides will, muss beides getrennt abfragen.
Was in der Praxis am meisten ausmacht: die Dosierung
Die größte Umweltwirkung in der Unterhaltsreinigung entsteht nicht durch die Wahl des Mittels, sondern durch die Menge. Überdosierung ist der Normalfall, nicht die Ausnahme: aus dem Kanister „nach Gefühl“ in den Kübel geschüttet, ergibt schnell ein Vielfaches der vorgesehenen Konzentration. Das belastet das Abwasser, kostet Geld — und hinterlässt auf vielen Böden einen Film, der den nächsten Reinigungsgang erst recht nötig macht.
Die wirksamen Gegenmittel sind unspektakulär: Konzentrate statt Fertiglösungen, feste Dosierstationen oder Dosierhilfen statt freihändigem Schütten, und eine bewusst kleine Zahl an Produkten. Ein Objekt, das mit vier klar zugeordneten Mitteln auskommt, wird verlässlicher richtig dosiert als eines mit vierzehn.
Die Reduktion der Produktvielfalt hat einen zweiten Effekt, der selten mitgedacht wird: Sie senkt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mittel auf dem falschen Untergrund landet — eine alkalische Grundreinigung auf Linoleum oder ein säurehaltiger Sanitärreiniger auf Naturstein ist ein Materialschaden, keine Umweltfrage, aber beide Fehler haben dieselbe Ursache.
Mechanik statt Chemie: Mikrofaser, Wasser, Maschinen
Ein erheblicher Teil dessen, was als „ökologische Reinigung“ verkauft wird, ist schlicht der Ersatz von Chemie durch Mechanik. Vorpräparierte Mikrofaserbezüge nehmen Schmutz überwiegend mechanisch auf und brauchen entsprechend wenig Reinigungsmittel; gleichzeitig entfällt der Kübel mit Schmutzwasser, der von Raum zu Raum getragen wird. Der Wasserverbrauch sinkt dabei um ein Vielfaches.
In der Fensterreinigung ist das Äquivalent die Reinigung mit entmineralisiertem Wasser über Teleskopsysteme: Ohne Mineralien im Wasser trocknet die Scheibe fleckenfrei ab, ganz ohne Reinigungsmittel — und erspart bei Fassaden in den unteren Geschoßen zusätzlich die Hebebühne.
Bei Maschinen entscheidet weniger das Modell als die Auslastung: Eine Scheuersaugmaschine, die eine große Fläche in einem Durchgang bearbeitet, ist pro Quadratmeter fast immer sparsamer als manuelles Wischen mit mehrfach gewechseltem Wasser. Auf kleinen, verwinkelten Flächen kippt diese Rechnung.
Was „öko“ nicht automatisch heißt
Biologisch abbaubar bedeutet nicht materialschonend. Essigreiniger und Zitronensäure gelten als harmlose Hausmittel und greifen kalkhaltige Natursteine trotzdem sichtbar an. Umgekehrt ist ein zertifiziertes Mittel nicht automatisch für jede Oberfläche freigegeben.
Auch Duftstoffe sind ein blinder Fleck: Sie erhöhen die wahrgenommene Sauberkeit, tragen zur Reinigungsleistung nichts bei und sind in Objekten mit Arztpraxen, Kinderbetreuung oder sensiblen Mietern eher ein Problem als ein Argument.
Und schließlich: Einwegtücher, Einwegüberzüge und einzeln verpackte Reinigungstabs verbessern die Ökobilanz nicht dadurch, dass das Mittel darin zertifiziert ist.
Fragen, die einen Anbieter schnell einordnen
Wenn Sie Angebote für die Gebäudereinigung in Wien vergleichen und Nachhaltigkeit ein Kriterium ist, führen die folgenden Fragen schneller zu einer belastbaren Antwort als jede Selbstbeschreibung im Angebotstext.
- ·Welche Mittel werden im Objekt tatsächlich eingesetzt — bitte als Liste, nicht als Kategorie?
- ·Tragen diese Mittel ein Umweltzeichen, und wenn ja, welches?
- ·Wie wird dosiert: Dosierstation, Dosierhilfe oder frei?
- ·Ist der Betrieb selbst nach ISO 14001 oder EMAS zertifiziert — oder bezieht sich „zertifiziert“ auf die Produkte?
- ·Wie viele verschiedene Produkte sind für dieses Objekt vorgesehen?
- ·Wird mit vorpräparierten Mikrofaserbezügen oder mit Kübel und Presse gearbeitet?
- ·Gibt es eine Einschulung darauf, welches Mittel auf welchen Bodenbelag darf?
Wie wir das handhaben
Blitzputz ist ein neu gegründeter Betrieb und führt derzeit kein Umweltzeichen und keine Umweltmanagement-Zertifizierung. Wir schreiben das lieber hin, als ein Logo zu verwenden, das uns nicht zusteht — das entspricht auch dem, was wir über uns sonst sagen.
Was wir sehr wohl beschreiben können, ist die Arbeitsweise: dosiergerechter Einsatz von Konzentraten, eine bewusst kleine Produktpalette pro Objekt und eine Methodenwahl, die sich am Bodenbelag orientiert statt an einem Universalmittel. Wie das konkret aussieht, steht in der Leistungsbeschreibung zur Gebäudereinigung, zur Büroreinigung und zur Grundreinigung.
